STEINERWEG

Seit ich mit dem Klettern begonnen habe, wollte ich unbedingt einmal diesen großen Klassiker begehen. Durch das stabile Spätsommerwetter und die Überzeugung, die Kletterei auch konditionell durch zu stehen, habe ich Ende September den Versuch gewagt.
Georg und ich sind am Sonntag, 25.9. in der Früh Richtung Ennstal aufgebrochen. Als Eingehtour wollten wir am selben Tag die Gindlkante (6+, 350m) gegenüber dem Grimming erklettern. In diese bin ich Anfang August mit Conny schon einmal eingestiegen, wir mussten sie allerdings abbrechen. Mit Schwierigkeiten im 6. Grad hätte das eigentlich nicht so das große Problem sein dürfen.

Wieder am Einstieg hat sich Georg die erste Seillänge hinauf gekämpft, nicht ohne von einem Marder in seinem Bau mitten in der Wand attackiert zu werden. Nach drei weiteren Seillängen haben wir uns schon gewundert warum die Topo so überhaupt nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt. Schimpfend über das schlechte Führermaterial kletterten wir weiter die Kante empor. In der vorletzten Länge, die laut Topo eine 6- hätte sein sollen, stand ich vor einem ganz schön knackigen Überhang. Mich selber ärgernd über meine schlechte Form, überwand ich diesen, nach einigen erfolglosen Freikletter-Versuchen, technisch. 6- konnte das nie und nimmer sein… Nach einer letzen, weniger schwierigen Seillänge standen wir schließlich am Gipfel der Kante. Beim Durchblättern des Führers bemerkte ich, dass wir eine völlig andere Route geklettert waren. Jetzt sah ich auch die Gindlkante, die einige hundert Meter weiter rechts gewesen wäre…. Gute Vorzeichen für einen langen alpinen Anstieg, bei dem es in erster Linie auf die Orientierung ankommt….(Geklettert waren wir den SW-Pfeiler des Jungfrausturz, der mit der Schwierigkeit 7 bis 7+ doch ein anderes Kaliber war.)

Am späten Nachmittag stand noch der Aufstieg zur Dachstein Südwandhütte an, die wir um ca. 18 Uhr erreichten. Nach Schnitzel, Radler und Routenstudium legten wir uns um 20 Uhr ins Matratzenlager, das in der Südwandhütte leider sehr beengt ist. Ich konnte nicht richtig schlafen, auch weil mich die morgige Unternehmung etwas nervös machte.

Um 5 Uhr standen wir auf und machten uns, ausgerüstet mit Stirnlampen, unter einem gigantischen Sternenhimmel auf den Weg in Richtung Südwand. Der Zustieg ist sehr, sehr mühsam, vor allem der letzte Teil vom Johann-Klettersteig zum Steinerweg-Einstieg. Er führt dort über sehr steile Schuttrücken, die bei jedem Schritt nachgeben. Da wir auf die Mitnahme von Steigeisen verzichteten, mussten wir auch das letzte Schneefeld südlich umgehen. Bis zum Einstieg brauchten wir ca. 1h40.

Offenbar waren wir die einzige Seilschaft an diesem Tag. Leider bemerkten wir recht bald, dass wir im unteren Teil viel zu langsam waren und so beschlossen wir noch bis zum Plattendach weiter zu klettern und dann abzubrechen. Am Plattendach angekommen waren wir schon 2 Stunden vom Einstieg aus unterwegs. Die Richtmarke bis zum Dachgiebel ist ungefähr eine Stunde. Bis dorthin wären noch 150m in 2er bis 3er Kletterei zu bewältigen gewesen.
Der Rückzug ist zwar dank einer Menge Abseilmöglichkeiten unproblematisch, aber sehr mühsam. Zu guter Letzt ist uns auch noch ein Seil beim Abziehen hängen geblieben, das Georg in mühsamer Manier schließlich befreit hat. Rückblickend war es sicher eine gute Entscheidung an diesem Tag abzubrechen. Der Berg wird ja hoffentlich noch länger dort stehen.

Am nächsten Tag rief mich Johannes an und fragte, ob ich nicht noch Lust auf etwas Alpines hätte um das gute Wetter auszunützen. Natürlich hatte ich Lust und die Gelegenheit einen zweiten Versuch zu wagen bot sich an. So sind wir am Donnerstag am frühen Nachmittag wiederum Richtung Ramsau aufgebrochen. Diesmal mit ein wenig veränderter Taktik, so schliefen wir nicht auf der Hütte sondern in der Ramsau in einem netten, günstigen Zimmer. Durch die Ramsau-Sommercard, die man in der Unterkunft ab einer Übernachtung erhält, war auch die Seilbahnfahrt gesichert. Das Material speckten wir etwas ab und wir nahmen statt der Halbseile ein 50m-Einfachseil. Das volle Set Friends ließen wir daheim und begnügten uns mit ein paar Keilen (die wir dann allerdings nicht verwendeten) und einen 1er und 2er BD Camalot, was sich als perfekt erwies.

Am Freitag kamen wir um 5.30 am Seilbahn-Parkplatz an. Vor uns lagen jetzt ungefähr 2h Zustieg, wieder mit Stirnlampe. Jo und ich erledigten diesen aber sehr, sehr flott und waren nach etwas mehr als eineinhalb Stunden am Einstieg. Diesmal waren es allerdings doch einige Seilschaften mehr. Im unteren Teil hatte ich mir am Montag schon einige Varianten angeschaut und so konnten wir ein paar Seilschaften überholen. Nach etwa 50 Minuten waren wir am Plattendach; dieses überwanden wir seilfrei und etwa 10 Minuten später standen wir am Dachgiebel. Hier war erst einmal Warten angesagt. Zirka 20 Seilschaften wuzelten sich über und unter uns die Südwand hinauf. Ständiges Überholen mitten in den Seillängen war an der Tagesordnung. Dieses ging teilweise sehr respektlos von statten und so waren teilweise vier(!) Seile über und untereinander in einer Seillänge. Vor allem die Bergführer mit ihren Gästen haben sich hier nicht besonders ausgezeichnet. Das war allerdings auch das einzige Manko an diesem, für mich perfekten Bergtag.

Nun ging es etwas schwieriger, aber problemlos weiter. Bald waren wir am Ende des Salzburger Bandes. Die Orientierung war nicht so schwierig wie erwartet, allerdings waren halt auch viele Leute unterwegs, die diese erleichterten. Natürlich sollte man aber alpine Erfahrung für so eine große Tour mitnehmen. Perfektes Seilhandling, gutes Orientierungsvermögen in alpinem und teilweise unübersichtlichem Gelände, und sehr sicheres, stundenlanges Klettern im 4. Grad würde ich jedem Aspiranten empfehlen. Dadurch, dass die Tour sehr lang ist und die Schwierigkeiten nach oben hin zunehmen ist auch ein enges Absichern kaum möglich. Ich habe z.B. in der ganzen Tour 3x einen Friend gelegt und ein paar Schlingen über Köpfl geschmissen. Zu mehr war nicht Zeit. Es gibt aber doch hin und wieder Haken.

Jo ist ein sehr routinierter Bergsteiger und wir konnten uns zu hundert Prozent auf einander verlassen, so gingen wir teilweise am laufenden Seil mit eingehängten Zwischensicherungen.

Der Steinerkamin war kein großes Problem und nach einigen weiteren Seillängen standen wir dann recht bald vor dem Schluchtüberhang, der die Schlüsselstelle darstellt. Diesen versuchte ich von links in freier Kletterei zu überwinden, was nicht gelang, so nahm ich die Stelle technisch in Angriff, was durch eine lange Schlinge sehr erleichtert wird. Frei geklettert wäre es meiner Meinung nach durchaus ein 6er. Ist aber prinzipiell keine Stelle, die jetzt besonders schön zu klettern, und eher unangenehm, wenn auch nicht angsteinflößend, ist. Die unangenehmste Seillänge war für mich der letzte sehr enge Kamin, und ich war froh darüber, dass Jo den Vorstieg übernahm. Bis auf diese Seillänge ist es nach dem Schluchtüberhang nicht mehr schwer und so standen wir nach sechs Stunden am Gipfel des Dachsteins. Wartezeit in der Tour hatten wir alles in allem ungefähr eine Stunde.
Da der Gletscher ziemlich zurück gegangen ist, war der Randkluftsteig ohne entsprechende Eisausrüstung nicht passierbar. Deshalb gingen wir völlig erschöpft aber glücklich über die Schulter zur Seethaler Hütte wo das Bier schon nach uns rief. Die Rattrak-Spur zur Seilbahn war dann noch wegen der vielen Spalten erheblich länger als gewohnt. Beim „technischen“ Abstieg mittels Seilbahn konnten wir noch letzte Blicke zurück in die Südwand werfen. Alles in Allem ein genialer Bergtag bei traumhaften Wetter!

Material: 50m-Einfachseil (mit 60m könnte man ein paar Seillängen zusammenlegen), Helm, 6-8 (lange) Expresschlingen, 5 Schraubkarabiner (davon 2 HMS), zumindest 4 Schlingen bis 120cm, ein paar Schnapper, Tuber oder Achter für einen etwaigen Rückzug, BD Camalot 1 und 2, ein paar Keile, 5m Reepschnur, 2 Kevlarschlingen, Biwaksack, Erste Hilfe Set, bequeme Kletterschuhe, Klettergurt ;-), genug Wasser!, Sonnenbrille und Sonnenmilch

Die gebräuchlichen Topos stimmen leider nicht zu 100% (Die Schall-Topo ist aber brauchbar). Mit alpinem Orientierungsvermögen ist der Weg allerdings ganz gut zu finden. Alle Stände sind mit zumindest einem Expansionsanker gebohrt.

SL1 (ca.III, 40-50m): Einstieg bei BH rechts von Köpfel. Dieses überwinden und einige Meter über gestuftes Gelände aufwärts zu einem bequemen Band. Hier sind einige Stände. Besser erst dort (weil bequemer) anseilen. Zur Originalführe das Band weiter nach links und dann über ein Köpfel. Oder Stand an BH auf Band vor Köpfel
SL2(ca.III, 30m): In der Originalführe ein rampenartiges Band zur markanten Riss-Verschneidung folgen. Wenige Meter diese hinauf und Stand auf der linken Begrenzungsrippe ODER direkt vom Anseilplatz über Platten und etwas brüchige schuppenartige Strukturen direkt zur Riss-Verschneidung hinauf.
SL3(IV-,40-50m): In der Verschneidung (gute Friend-Placements) oder an der linken Begrenzungsrippe (dort sind 2 BH) bis Schuttplatz hinauf. Stand an Felskopf. Beim Sichern hinter diesem verstecken. Steinschlag durch vorausgehende Seilschaften und dem Vorsteiger!
SL4 (III, 50m): an Standköpfel links vorbei, immer linkshaltend über gestuftes Gelände, linken Pfeiler ansteuern, Stand unter sehr markantem Riss(diesen dann allerdings NICHT hoch)
SL5 (II od. IV, ca. 30m): Originalführe: einige Meter im 3er-Gelände nach links zu Köpfel bei Pfeiler; dieses überwinden und dann 3m abklettern, kurz nach links und einen Riss bis zum Stand klettern ODER am Köpfel gleich aufwärts (1NH, ca IV) zu selben Stand; man erspart sich dadurch erheblichen Seilzug
SL6 (IV-, 40m): die kurze Platte überwinden, dann kurz im Gehgelände nach links und eine wiederum markante Riss-Verschneidung (dort ein BH) aufwärts, Stand am Beginn des Plattendachls
Plattendachl (II-III, 150m): am besten seilfrei, oder in 3-4 Sl, schräg rechts aufwärts zum Giebel; es gibt dort sogar hin und wieder (Stand)-BH, ist aber unproblematisch zu klettern, nach dem Plattendachl wird die Kletterei aber doch eine Spur anspruchsvoller

SL7 (IV, 50-60m): Stand an Pfeiler links des Dachgiebels; den Pfeiler wenige Meter nach links umgehen, hier eine wiederum logische , markante Verschneidung hinauf, wenn man den Stand etwas höher als die BH sind anlegt, geht es sich aus die nächsten 2 SL mit einem 50m-Seil zusammen zu legen (vorteilhafter, weil der Stand ansonsten recht unbequem ist), dabei sollte man in der 2. SL die direkte Variante nehmen, Stand an bequemen Schuttplatzl, von hier geht es nach rechts zum Salzburger Band
SL8 (II, 45m): Salzburger Band, ist zuerst recht gestuft, hier geht man ganz leicht aufwärts, Stand am besten bei Bohrhaken kurz vor kurzem Aufschwung(nächster BH ist bereits ersichtlich)geht sich mit 50m-Seil ganz gut aus
SL9 (III-, 40-50m): etwa 3m direkt vom Stand aufwärts, wenige Meter nach dem Stand ist bereits der nächste BH, NICHT unten bleiben (klassischer Verhauer im 6. Grad), dann über praktisch Gehgelände (markantes, ausgesetztes Band)weiter bis vor die Hangelstelle
SL10 (IV(+), 20m): Hangelquerung, ist halb so wild, etwas luftig aber eh mit guten Tritten, Stand in Nische, recht kurze SL
SL11 (IV, 40m): kurz aufwärts dann nach links hinter einer Schuppe klettern, dem roten Pfeil folgen, nicht gerade hinauf, da geht’s in die Münchner Kamine und das will niemand
SL12 (IV+, 30m): Steinerkamin, hab ich nicht als so schlimm empfunden, gut absicherbar, eindeutige Routenführung
SL 13 (IV,45m): Kaminreihe weiter aufwärts
Ab hier verliert sich meine Erinnerung etwas, da erstens die Routenführung hier recht logisch ist, andererseits sind wir den Großteil der nächsten 80-100m am laufenden Seil geklettert (bis IV+). Die gebräuchlichen Topos sind sich hier auch nicht ganz einig. Ist aber nicht schwer zu finden. Irgendwann steht man dann vor einem gelblichen Überhang direkt nach einem Stand, ab hier haben wir wieder durch gesichert. (IV+) Und nach der nächsten Länge sind wir schon vor dem Schluchtüberhang gestanden
SL 19? – Schluchtüberhang (V-,A0, 30m): Schluchtüberhang technisch überwinden, dann über schöne Wasserrillenplatten zu bequemen Stand auf breitem Band
SL20? (III, 40-50m): nicht in die Gipfelschlucht sondern linkshaltend über gestuftes Gelände
SL21? (III, 30m): markanten, großen Felskopf ansteuern, darunter befindet sich ein bequemer Absatz mit Stand-BH
SL22? (IV+): Unangenehmen, sehr engen Kamin hoch, sehr bequemer Standplatz, rechts die markante Gipfelschlucht
SL23? (II+, 40m): Zuerst in die Gipfelschlucht hinein queren, dann linkshaltend hoch
SL24? (II, 50m): über gestuftes Gelände zu Westgrat hoch, wir haben hier zur Sicherheit weiter gesichert