ABENTEUER AM SCHNEEBERG

Michi und ich hatten das Ziel dem Gamsgartlgrat eine Winterbegehung abzuringen. Nach diesen ersten Mixed-Klettererfahrungen kann man das Ganze etwa so zusammenfassen:
Im Sommer fast ein Spaziergang - im Winter Freizeitbeschäftigung für Masochisten.

Mit Skiern sind wir von Losenheim aufgestiegen. Das Wetter war gut und die Lawinensituation wurde von uns als sicher eingestuft. Allerdings war die Schneequalität nicht mehr die Beste und so benötigten wir fast 2 Stunden um nach den Querungen von Breiter und Krummer Ries am Einstieg zu stehen.

Nachdem wir uns mit Steigeisen und Eisgeräten bewaffnet hatten, versuchten wir den Originaleinstieg, der uns aber zu schwer war. Wir umgingen daher die ersten 50m auf der linken Seite, was fast Firnklettercharakter hatte.
Viel, teilweise harter, Schnee und viele Eisglasuren fanden sich im ersten Teil. Wir benötigten ewig um uns hinauf zu kämpfen. Nach dem ersten Kessel war es dann Felskletterei mit Eisglasuren, die wir teilweise in Drytooling-Manier bewältigten.
Ständig waren uns die Skier im Weg und das ständige an-den-Fels-knallen gefiel ihnen auch nicht so gut…
Michi stieg den zweiten Turm mutig vor. Nach dem Felsenfenster und der Scharte versuchte ich den ersten Kamin. In dem rinnenartigen Kaminsystem war ziemlich viel Schnee und ich fand auf den ersten Metern keine Sicherungsmöglichkeiten. Irgendwie schaffte ich es von links auf einen kleinen Vorsprung zu hooken, mein Eisgerät in gefrorenen Schnee zu fixieren, und mich aufzurichten.

Puhhh, geschafft, dachte ich… Genau in diesem Moment rutschte ich weg und stürzte etwa sieben Meter einen Abhang in die Krumme Ries hinunter. Ich krachte auf den Rücken, wahrscheinlich bewahrte mich der Rucksack vor Schlimmerem. Ich fühlte mich als wär ich von Wladimir Klitschko verprügelt worden.
Leider steckte das Eisgerät noch einige Meter weiter oben im Schnee. Also nochmal diese Stelle klettern….
Mit vollen Hosen erwischte ich irgendwie den Schaft des Eisgerätes und hatte genug von Abenteuern in den Bergen.
Wir seilten von der Scharte in die Krumme Ries ab. Auch weil ich beim Sturz einen Friend in den Abgrund befördert hatte, den ich wieder haben wollte.
Nach einer sehr steilen Querung konnten wir endlich die Ski zum Abfahren anschnallen.
Die Abfahrt war dann noch eine mittlere Katastrophe. Die Krumme Ries war tiefgefroren und die Windganglien waren eine Herausforderung für unsere Kanten. Das war aber noch der bessere Teil der Abfahrt.
Unterhalb, im Wald, wechselte Bruchharsch mit Extremsulz. Ich konnte kaum Kraft aufbringen um einen Schwung zu fahren. Natürlich wurde es dann auch noch dunkel.
Im untersten Teil taten wir uns dann sogar schwer im Pflug einen Forstweg abzurutschen. Ein wirklich großer Lawinenkegel im recht dichten Wald mahnte uns noch zur Vorsicht.
Als Höhepunkt des Tages, kamen wir viel zu weit unten im Tal an und ich marschierte noch etwa 1,5 km auf der Straße um das Auto zu holen. Nach 10 Stunden war der Spuk vorbei und wir völlig fertig.
Sagen wir mal es war eine Erfahrung wert;-) Vielleicht wird es ja nächstes Jahr mit veränderter Taktik was. Zum Schluss danke an Michi, weil er ein so cooler Seilpartner ist und wirklich für jeden Blödsinn zu haben ist.
Auf viele weitere schwachsinnige Abenteuer;-)

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