PAKLENICA 17.5. – 20.5.2012

Unsere eigentlichen Pläne für dieses Wochenende, etwas Alpines zu machen, mussten wir aufgrund der Wettersituation aufgeben. Die Alternative Paklenica mit Sonne, Meer und langen Touren klang aber auch verlockend.
So machten sich Mario, Conny und ich mit Marios VW-Bus Mittwoch Abend auf den Weg in den Süden. Die Anreise gestaltete sich etwas mühsamer als geplant; zuerst hatten wir 2h Wartezeit an der slowenisch-kroatischen Grenze, dann war auch noch die Autobahn zweimal aufgrund von Unwettern gesperrt und wir mussten großräumig über schneebedeckte Pässe und sehr lange Umfahrungen ausweichen. Um etwa 4 Uhr in der Früh hatte es uns dann gereicht und wir übernachteten 100km vor unserem Ziel auf einem Parkplatz.
Donnerstag Mittag trafen wir endlich in Starigrad Paklenica ein, wo wir mit Andy, Chris und Georg verabredet waren. Nachdem wir uns am Campingplatz häuslich eingerichtet hatten ging es gleich einmal zum Einklettern in die Paklenica Schlucht. Der Eintritt in den Nationalpark kostet im Moment für 3 Tage 100 Kuna was ungefähr 14 Euro sind.

Wir suchten uns 2 nebeneinander gelegene Routen aus, so dass wir beim Klettern immer in Sichtkontakt waren. Andy und Chris kletterten die Route "Franz Hohensinn" (7-), während Mario und ich uns für "Andi & Max" (6) (natürlich die einzige nasse Route in ganz Paklenica…) entschieden. Nach 2 SL wars dann auch schon wieder vorbei. Dafür ist uns gleich einmal das Seil beim Abseilen hängen geblieben. Das Abseilen geht sich mit einem 60m-Doppelseil bis ganz nach unten aus. Die Schlüsselstelle in der ersten Seillänge ist auch ohne nassen Fels nicht geschenkt (wie eigentlich alles in Paklenica).
Danach waren wir zu viert noch Sportklettern am Schluchteingang. Geklettert sind wir eine 6b und eine 6c.
Der Tag wurde dann noch mit gutem Essen und wieder einmal etwas zu viel Bier beschlossen;-)
Am Freitag zog es uns zum Pfeilervorbau des Anica Kuk (Elefantenfuß). Mario und ich stiegen in "Domzalski" (7-) ein während Andy und Chris "Karabore" gehen wollten, allerdings eine Variante unserer Tour erwischten. Diese mündete vor der dritten Seillänge in unsere Tour ein. Somit kletterten wir hintereinander, was den Genussklettercharakter der Touren noch unterstrich. Chris nahm seine Spiegelreflex mit und schoss einige sehr coole Fotos.
Leider begann dann der Wind relativ heftig zu blasen und wir verwarfen den ursprünglichen Plan bis auf den Gipfel des Anica Kuk weiter zu klettern. Statt dessen gingen wir noch Sportklettern. Dabei sind wir unter anderem die Route "Shogooth" (6c+) geklettert bis es finster war.
Leider gab es dann am Abend, während wir noch am Stirnlampen-Klettern waren, einen Abseilunfall mit tödlichem Ausgang am Stup.

Am nächsten Tag wollten Mario und ich eine längere Tour am Anica Kuk klettern. Irgendwie spukte aber der tödliche Kletterunfall vom Tag davor noch in meinem Kopf herum. Dazu kam, dass in der Route "Klin" (8-) die wir angepeilt hatten viele Seilschaften unterwegs waren und genau als ich die erste Seillänge ankletterte, ein etwa 1m³ großer Felsblock 20m neben uns einschlug.
Ich kletterte dann noch zum ersten Stand, nicht ohne mich in dieser 5- Seillänge zu Tode zu fürchten... Ich besprach meinen Zustand kurz mit Mario, dann seilten wir ab. Wir legten uns in die Sonne am Hubschrauberlandeplatz und konnten Andy und Chris zuschauen die in der Route "Jenjavi" (8+) unterwegs waren.
Die Beiden kämpften sich bis in die Abendstunden die Route hinauf, was eine tolle Leistung ist!
Irgendwie wollte ich ohne lange Route im Gepäck dann doch nicht nach Hause fahren und somit entschieden Mario und ich am Sonntag Vormittag nochmals die "Klin" zu probieren. Letztendlich hat sich das ziemlich gelohnt obwohl es für mich schon ganz schön fordernd war. Meiner Psyche ging es allerdings wieder gut und die ersten Seillängen fühlten sich dann auch ganz gut an.
Die Tour führt entlang einer "klassischen" Linie durch Verschneidungen und Risse.
Nach den ersten zwei Seillängen über den geneigten Vorbau und einer 7- Querung stellt sich die Tour die nächsten 200m immer mehr auf. Eigentlich bewegt man sich immer im senkrechten oder am Schluss ganz leicht überhängenden Gelände. Sicher das Ausgesetzteste was ich bis jetzt geklettert bin.
Und die Bewertung war natürlich auch hier nicht geschenkt. Die schwereren Seillängen haben zwar von der Bewertung schon gepasst, aber die 6- und 6er Seillängen haben sich viel schwerer angefühlt. Mit ein bisschen Moral und ein paar Mal A0 ist das Ganze aber schon gut gegangen.

Neben Bohrhaken gibt es in der Tour viele Normalhaken und mobile Sicherungsmittel kann man sehr gut einsetzen. Diese waren für uns für eine halbwegs stressfreie Begehung auch nötig. Wir hatten einen vollen Satz Friend von BD 0,5 - 3 (plus einen BD C3) mit und verwendeten alle. Optimal wäre wahrscheinlich statt dem 3er einen zweiten 1er Friend dabei zu haben. Ein paar Schlingen für Schuppen und Zacken sollte man auch dabei haben.
Die Tour ist eine Empfehlung wenn man kräftige, steile Riss- und Verschneidungskletterei mit alpinem Charakter mag und einem ganz schön viel Luft unterm Arsch auch nix ausmacht.
Mit einigen Überhölmanövern, die ganz schön viel Zeit in Anspruch nahmen, waren wir nach ungefähr 6h durch. Schnell waren wir also eher nicht... Dafür sind wir dann den Abstieg fast runter gesprintet und waren nach 1h wieder beim Auto.
Nach Kaffee und ein wenig Essen ging es dann wieder Richtung Wien, was sich im Gegensatz zur Hinfahrt problemlos und schnell gestaltete.
War zwar ein anstrengendes aber super lohnendes Wochenende.

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Alle Fotos in diesem Bericht von Chris Hager Photography.
Lizensiert unter Creative Commons BY-NC-SA