LIEBESSPIEL DER FALKEN

In eine 8er-Tour reinschnuppern...

Gemeinsam mit Chris ging es am Vormittag Richtung Hohe Wand. Ohne Bedürfnis nach Onsight-Heldentaten war unser heutiges Vorhaben das „Liebesspiel der Falken“ auf der Hohen Wand auszubouldern.
Die Tour ist nominell mit 8-/8 angegeben und 170m lang. Die schwierigsten Seillängen befinden sich am Anfang der Tour.
Da wir einen „Kaltstart“ vermeiden wollten, turnten wir zum Aufwärmen die erste Seillänge des Duettsteigs hoch um die Finger wenigstens etwas warm zu bekommen.

Chris wollte sich an den beiden schwierigen Anfangsseillängen versuchen, was mir eh nicht unrecht war.
Die erste Seillänge ist mit 7+/8- angegeben und sehr, sehr anstrengend. Obwohl klettertechnisch durchaus lösbar, handelt es sich um sehr diffizile, unübersichtliche Ausdauerkletterei. Im Mittelteil ist diese auch leicht überhängend.
Chris kämpfte sich Meter für Meter hoch und es gelang ihm schließlich alle Züge frei zu klettern. Die Tour ist in den schweren Längen gut mit Bohrhaken gesichert, was das Klettern, abgesehen von den Schwierigkeiten, recht stressfrei macht. Die Standplätze sind im unteren Teil auch alle sehr gemütlich.
Ich kämpfte mich dann im Nachstieg ebenfalls hoch und konnte ebenfalls alles frei klettern.
Am Stand angekommen sah das Wetter nicht mehr so besonders aus und graue Regenwolken hingen über der Hohen Wand . Kurz tröpfelte es und wir querten zum nächsten Stand in die höhlenartige Nische. Dort entschieden wir uns weiter zu klettern.
Die zweite schwere Seillänge schloss nahtlos an die erste an und obwohl sie nominell etwas schwieriger ist, taten wir uns beide leichter. Vor allem ist sie um einiges lohnender.
Wieder geht es um etwas diffizile, tw. leicht überhängende Wandkletterei. Diesmal aber ohne nennenswerte Rastpunkte. Rotpunkt ist die Länge sicher nicht so leicht zu knacken.

Die nächste Seillänge führte durch das Dach der Tristangrotte. Die Seillänge ist zwar technisch um einiges leichter aber äußerst spektakulär und luftig. Außerdem ändert sich hier der Charakter der Absicherung. Bis zum Dach der Grotte sichert man sich an Sanduhrschlingen und Normalhaken.
Der Vorstieg gehörte mir und mit vollen Hosen ging ich die Seillänge an. Vom Stand weg quert man über den Höhlenschlund zur ersten Sanduhr (diese ist niedriger als der Stand – Vorsicht bei Sicherung mittels Tuber!), dann robbt man sich eine höhlenartige Rampe zu einem Schlaghaken hoch (mit Rucksack wird es hier sehr eng bis unmöglich), um dann extrem luftig aus dem Höhlendach hinaus zu traversieren.
Leider schauen die Riesenhenkeln nicht so aus als wären sie für die Ewigkeit gemacht und ich konnte den Gedanken, dass sich einer mit mir in die Höhle verabschiedet nicht los werden. Zusätzlich kletterte ich etwas abseits der Linie in eine Nische ins Höhlendach hinein (dort war eine gefädelte Sanduhr) und traute mich aus dieser kaum heraus.
Beim Rausklettern wickelte sich dann noch das Seil über meine Schulter und das alles im extrem überhängenden Gelände. Schimpfend und fluchend machte ich mir fast in die Hose. Irgendwie überwand ich mich doch und schaffte die Länge noch Onsight.
An sich ist die Seillänge aber nicht schwer. Nominell ist sie mit 6+ angegeben, wobei die Crux hier mehr die Moral als der gekletterte Grad ist. Beim nächsten Mal würde ich aber einen größeren Friend und ein paar Schlingen zur entspannteren Absicherung mitnehmen. Die vorgefundenen SU-Schlingen waren nicht mehr alle in Ordnung.
Offenbar ist diese Tour dieses Jahr noch nicht so oft geklettert worden was sich an so manchem Spinnennetz manifestierte.

Im Turnerbergsteiger Kessel angekommen schien es jeden Moment zu regnen. Eine 7+-Länge wäre noch vor uns gelegen. Wir beschlossen aber, dass wir auf Klettern im Regen heute keine Lust mehr hatten und so stiegen wir über den oberen Teil der Betty und Paul aufs Hochplateau aus.

Alles in allem eine sehr originelle Tour und ein gutes, erstes Reinschnuppern in den 8. Grad.