Nach einer gefühlten Ewigkeit im Winter ohne Sonne war der Wetterbericht für die Hohen Tauern günstig. Da Mario und Michi in ihrer letzten „arbeitsfreien“ Woche waren, fassten wir den Plan nochmals in die Berge zu fahren um einen hohen Berg zu besteigen.
Durch den vielen Schnee und nach genauem Studium des Lawinen- und Wetterdienstes fiel unsere Wahl auf Kolm-Saigurn, um zumindest einen der beiden 3000er „Sonnblick“ bzw. „Hocharn“ zu besteigen und zu befahren.

Da Geld bei mir ohnehin immer Mangelware ist und Bergsteigen „by-fair-means“ sich theoretisch sehr romantisch anhört, verzichteten wir auf Quartier und übernachteten am Parkplatz in Marios VW-Bus. Glücklicherweise war die Standheizung kaputt, so konnte der „by-fair-means“-Gedanke noch konsequenter betrieben werden.
Sechs Stunden Autofahrt waren zwar mühsam, die Temperaturen am Parkplatz jedoch verträglich. Was auch daran lag, dass vom vorhergesagten stabilen Strahlungswetter kaum etwas zu bemerken war.

Auch aus diesem Grund gaben wir der Tour auf den Hohen Sonnblick den Vorrang, da diese uns lawinentechnisch und alpinistisch etwas zahmer erschien. Nach Essen und Thermoskannen befüllen ging es recht bald in die Schlafsäcke. Für mich war die Nacht wie erwartet etwas unruhig, aber der Wecker läutete eh schon um 5 Uhr.
Zunächst hieß es einmal das Taxi zur Sonnblickbasis ein zu sparen und so war zum Aufwärmen 5km Mautstrassen gehen angesagt… Vom letzten Jahr kannte ich diese schon und hätte eigentlich wissen müssen, dass sich der Aufstieg ziemlich hinzieht. Aus der veranschlagten Stunde wurde dann um einiges mehr. Nichtsdestotrotz setzten wir unseren Aufstieg fort. Ab dem Talschluss durchstießen wir die Hochnebeldecke und siehe da, die Sonne schien uns in die bleichen Gesichter! Wir wählten unsere Route entlang der Eiskletterfälle. Teilweise mussten wir hier aufgrund der Steilheit abschnallen. Wahrscheinlich gäbe es an dieser Stelle eine bessere Variante.

Zurücksteigen gibt’s aber nicht und schon gar nicht mit Mario und Michi :). Ganz entspannt war die Lawinensituation auch nicht und so versuchten wir die geladenen Hänge zu umgehen. Vom Naturfreundehaus bis in etwa dort wo der Gletscher beginnt ist man ziemlich starken Winden ausgesetzt, die auch durch einen geländebedingten Düseneffekt entstehen dürften. Da es an diesen Hängen gar nicht einmal so unsteil ist, sollte man auf Triebschnee-Einwehungen achten.
Wir stiegen zur Radhaus-Ruine auf und wählten den weiteren Weg über den Kamm Richtung Rojacher Hütte. Knapp unter dieser fuhren wir ein Stück zum Gletscher ab, überquerten diesen und zogen unsere Spur in einem weit ausholenden Linksbogen zum Gipfel.

Die Tour wurde dann ganz schön lang. Die 1900hm auf weit über 10km forderten doch ihren Tribut. Glücklicherweise spurte Mario fast alles und so schleppten Michi und ich uns auch noch irgendwie auf den Gipfel. Belohnt wurden wir durch eine grandiose Aussicht auf die Alpensüdseite mit dem zum Greifen nahen Großglockner, der aus einem dichten Hochnebelmeer herausragte. Außerdem waren wir mit Ausnahme der Besatzung der Wetterstation ganz alleine auf dem Berg.
Bei der Abfahrt stieg dann leider der Hochnebel und so hatten wir im steilsten Teil der Abfahrt, kurz vor dem flachen Teil des Gletschers, absolut keine Sicht. War ganz schön spannend im Blindflug da runter zu düsen. Unten wurde es dann aber doch wieder sonnig. Es ist einfach genial auf solch weit ausladenden Hängen die ersten Spuren ziehen zu können. Der Schnee war zwar nicht gerade „Champagne Powder“-würdig aber doch schön zu fahren.

Im unteren Teil wurde es dann aber ziemlich sumpfig und ich war kräftemäßig ziemlich am Ende. Die Abfahrtswertung die Mautstrasse hinunter habe ich dann auch weit abgeschlagen als Letzter beendet :).
Nach einem kurzen Aufwärmen bei Kaffee im Wirtshaus ging es dann wieder in unser Freiluft-Wohnzimmer und hurra, jetzt war das prognostizierte Strahlungswetter da. Dies äußerte sich in einer saukalten Autonacht die keiner unserer Schlafsäcke ganz ausgleichen konnte. Sogar mein Kontaktlinsenbehälter mit Kochsalzlösung fror durch. Aber auch diese Nacht wurde überstanden und Mario und ich beschlossen, das nächste Mal in einer Hütte zu schlafen. Werden wir nächsten Winter aber sicher wieder vergessen haben…

In der Früh versuchten wir uns so schnell wie möglich in Bewegung zu setzen, um nicht ganz zu erfrieren. Da keiner von uns sich imstande sah 2100 hm auf den Hocharn zu steigen, war unser Ziel der Kolmkarspitz. Das waren vom Parkplatz aus eh immerhin 1300hm und somit mehr als genug. Als Belohnung für die eiskalte Nacht hatten wir dann aber einen Traum-Tourentag mit super Aussicht ins Felsen-Amphitheater von Kolm-Saigurn und auf der anderen Seite ins Gasteinertal. Der Super-Tourentag wurde mit einer sehr schönen Abfahrt zusätzlich bereichert. Alles in allem ist die Kolmkarspitze eine wirklich lohnende Skitour. Wenn man vom Parkplatz weg gleich über den Wald geht, erspart man sich den Aufstieg zum Naturfreundehaus (Unsere Route ist als GPS-Track weiter unten downloadbar). Es wird nie all zu steil und man schwebt auf Hängen mit perfekter Skifahr - Neigung talwärts.

Zum Abschluss der zwei strapaziösen aber coolen Tage tranken wir noch im kurzen T-Shirt Bier auf dem Parkplatz. Im eiskalten Winter sind wir aufgebrochen, im Frühling angekommen. Sehr super!

zu den Fotogalerien:

Tag 1 / Tag 2

in Kürze:

GPS-Track HOHER SONNBLICK: nur Aufstieg, beginnt bei den Eisfällen, unsere Routenvarianten waren bedingt durch die Lawinensituation
GPS-Track KOLMKARSPITZE: Aufstieg und Abfahrt, vom Parkplatz bei der Mautstelle weg