SCHNEE UND EIS IN KOLM - SAIGURN

...und kalt war es auch noch. Am Samstag den 4. Februar brachen wir von Wien aus auf um am Alpenhauptkamm ein bisschen im Eis zu klettern und mit den Ski zu touren. Trotz Semesterferienbeginns ging die Anreise relativ schnell und so konnten wir den Nachmittag noch nutzen.
Conny und ich spazierten vom Bodenhaus entlang der Mautstraße nach Kolm-Saigurn, während Michi und Eri noch ins Gasteiner Tal Eisklettern fuhren. Nach einer Rodelabfahrt zurück zur Mautstelle trafen wir uns mit Tini und Wendy im Quartier in Rauris. Wir übernachteten in einer Ferienwohnung bei Maria und Hans. Diese ist wirklich empfehlenswert und wenn man in der Gegend ein Quartier braucht ein super Tip: www.sbg.at/huber-rauris.
Etwas später stießen auch Michi und Eri zu uns und wir stärkten uns mit Nudeln, Bier und Wein für den kommenden Tag.

Da für Sonntag noch vernünftiges Wetter angesagt war entschieden wir uns gleich einmal für eine Skitour.
Ganz so früh wie geplant kamen wir dann natürlich nicht weg aber schlussendlich standen wir am späteren Vormittag am Startpunkt bei der Mautstelle. Es konnte also los gehen.
Zuerst einmal über die lange, flache Mautstraße. Dann in den Wald wo mir die Orientierung zum Verhängnis wurde. Eigentlich wollten wir als Eingehtour auf den Kolmkarspitz, haben aber das falsche Kar erwischt (also eigentlich hab ich das falsche Kar erwischt...). Angesteuert haben wir schlussendlich den Silberpfennig.
Etwa 50 hm unterhalb der ersten Felsen des Westgrats haben wir angesichts der Tageszeit umgedreht und sind noch zur Bockhartscharte rüber gequert um zumindest ein Foto mit Gipfelkreuz zu machen. Leider hatten wir bei der Abfahrt eine sehr wechselnde Schneebeschaffenheit inkl. Bruchharsch die das Ganze nicht wirklich zum Vergnügen machte. Die wunderschöne Landschaft im Talschluss des Hüttwinkltals hat dies aber wieder wett gemacht.

Für Montag und Dienstag waren Wolken und Schnee angesagt. Tini und Wendy beschlossen nun den Kolmkarspitz zu besteigen und zu befahren, während es den Rest von uns zu den Eisfällen zog.
Um uns aufzuwärmen und das Geld für das Shuttle (8 Euronen pro Strecke und Person) zu sparen gingen wir mit Ski die Mautstraße hoch. Leider dauert dies ewig lang und ist auch recht fad zu gehen. Es sind zwar kaum 400 Höhenmeter, aber dafür an die 5 Kilometer Distanz, die bewältigt werden müssen.
Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden waren wir endlich bei den Eisfällen. Wir deponierten unser Zeug im ersten Graben und peilten "CASCADI" (WI 3 - 3+) an. Außer uns waren nur noch vier Kletterer aus Deutschland vor Ort die sehr nett und hilfsbereit waren und uns sogar ihre Seile zum Topropen anboten. Aber wer will denn schon Topropen...!
So stieg ich bei meiner Eiskletterinitiation gleich einmal eine WI 3+ vor. Allerdings waren die Schrauben schon gesetzt und die Expressschlingen auch schon eingehängt. Da die erste Länge sehr gut gegangen ist bin ich natürlich gleich übermütig geworden und dachte mir, dass die linke, etwas leichter bewertete Linie ohne vorhandene Eisschrauben ja dann auch gehen müsste. So lernt man...
Rauf gekommen bin ich dann auch, allerdings hab ich mich schon lang nicht mehr so gefürchtet wie bei dieser mühsamen Plagerei.

Irgendwie ist mir erst, während ich mit den Steigeisen ständig wegrutschte, bewusst geworden, dass ich bis an die Zähne bewaffnet war, überhaupt kein Gefühl mehr in den Fingern hatte und das gerade hier zum ersten Mal machte. Aber gut...auch das wurde überlebt ;−). Michi stieg die linke Linie ebenfalls vor und probierte dann noch eine Drytooling-Linie aus.
Nachdem wir den ganzen Tag bei -20° im Schnee standen wärmten wir uns noch in der Hütte auf. Währenddessen wurde es natürlich finster und somit mussten wir uns jeweils zu zweit eine Stirnlampe für die Abfahrt teilen. In der Nacht hat dann aber glaube ich jeder gut geschlafen...
Am Dienstag schneite es den ganzen Tag. Tini und Wendy traten ein bisschen kürzer und der Rest von uns ging wieder eisklettern. Leider litt die Eisqualität unter der anhaltenden Kälte.
Wieder beim gleichen Fall gestaltete sich das Setzen der Eisgeräte recht mühsam weil bei jedem Schlag das Eis splitterte. Ich probierte die zweite Linie von gestern nochmals und fürchtete mich trotz bereits gesetzter Eisschrauben wieder. Dann hatte ich noch Michis Drytooling-Linie im Toprope probiert, nicht ohne ein paar säulenartige Eisstrukturen in die Tiefe zu befördern.

Michi und Eri erklommen noch den Nebenfall "Vegetari". Als Tagesabschluss versuchten wir uns noch am Eisturm im SG WI 4-5. Stressfrei sah das Ganze dann schon anders aus.
Sonnig aber nach wie vor arschkalt präsentierte sich unser Abschlusstag. Da die Lawinensituation und unsere schon müden Knochen eine größere Tour a la Sonnblick nicht so verlockend erschienen ließ, beschlossen wir uns noch eine eher abfahrtsorientierte Skitour zu geben.
Die ersten Höhenmeter bewältigten wir via motorisiertem Schlitten. Der Fahrer bescherte uns aber eh auch ein paar Adrenalin-Ausstöße. Der Neuschnee des Vortages ließ uns auf eine schöne Abfahrt hoffen. Leider hat es in der Nacht auch sehr viel Wind gegeben, der die Lawinensituation verschärfte.

Angepeilt hatten wir wiederum den Silberpfennig. Bei traumhaftem Wetter stiegen wir die ersten Meter durch den Wald auf.
Im unteren Teil stießen Volker und Melli zu uns, die wir schon vom Eisklettern kannten.
Oberhalb der Baumgrenze waren leider die wunderschönen freien Hänge ziemlich eingeweht. Hat etwas gefährlich ausgeschaut. Um die Gefahr zu minimieren stiegen wir auf einem flachen Rücken unterhalb der Bockkarscharte auf und der Plan war dann durch einen felsigen, aber ziemlich abgeblasenen Teil des Hanges zur Scharte hinauf zu stapfen. Nach drei Schritten stellte sich dieser Plan aber als sinnlos heraus. Weil wir wahrscheinlich den gleichen Weg zu Fuß herunter hätten müssen, beschlossen wir umzukehren und die Abfahrt zu genießen.

Und das taten wir dann auch. Im oberen Teil hatten wir Triebschnee der sich aber wunderbar fahren ließ; weiter unten im Wald fanden wir dann fast "Champagne Powder" vor. Sicher meine beste Abfahrt in dieser Saison bis jetzt.
Beim Wirtshaus Bodenbauer wurde dann noch Strudel gegessen und Bier und Kaffee getrunken.
Tini, Wendy, Michi und Eri verabschiedeten sich am Abend Richtung Wien. Conny und ich fuhren am nächsten Tag mit der Gondel zum Hochalmgipfel und genossen noch eine ganz gute Tiefschneeabfahrt.

Der Heimweg dauerte dann allerdings 6h weil Schnee und viele LKW auf der Westautobahn offenbar zu einem Verkehrschaos führen müssen. War sehr cool in Kolm-Saigurn. Und lustig war es auch.

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