Michi und ich setzten uns das ambitionierte Ziel den Glockner und das Kugy-Colouir mit Ski zu besteigen. Aber erstens kommt es anders...

Der Wetterbericht sagte uns Strahlungswetter und beginnende Frühjahrsverhältnisse voraus. Also starteten wir am Mittwoch in der Früh Richtung Hohe Tauern los. Nach einer doch recht anstrengenden Autofahrt kamen wir in Lienz an.
Von Schnee war allerdings keine Spur. In den umliegenden Bergen begann die Schneedecke erst überhalb der Baumgrenze, sofern diese die zahlreichen Grundschneelawinen überhaupt überlebt hatte. Richtung Kals wurde es dann besser aber auch nicht gerade üppig. Beim Lucknerhaus ging 200m vom Parkplatz gleich einmal eine mittlere Naßschneelawine nieder. Den Plan nach dem Glockner nach Planica zu fahren um dort den Jalovice zu besteigen verwarfen wir einmal gleich. Unter 2000m war sowieso zu wenig Schnee und die Verhältnisse waren doch recht fordernd.

Gegen 14 Uhr hatten wir unser Zeug zusammen gepackt und schnallten uns die Ski an um zur Stüdlhütte aufzusteigen. In genau diesem Moment blieb ein Van neben uns stehen. Der Fahrer stellte sich als Wirt der Stüdlhütte vor und riet uns dringend ab zu dieser aufzusteigen. Er berichtete uns von vielen Naßschneeabgängen, einem großen, abgegangenen Schneebrett am Glocknerleitl und gefährlichen Verhältnissen allgemein. Zumindest sollten wir die Abendstunden abwarten.
Wir packten die Rucksäcke wieder ins Auto und starteten mit leichtem Gepäck eine kleine Erkundungstour zur Lucknerhütte. Dort sahen wir die Hänge zur Stüdlhütte ein und entschieden uns an diesem Tag nicht mehr aufzusteigen.
Nach einigen Beratungen entschieden wir uns essen zu gehen und uns im Tal einen Biwakplatz zu suchen. Wir verbrachten die Nacht in einem offenen Stadl und mir war zwar nicht kalt aber Schlaf bekam ich trotzdem wenig. War zumindest auch eine neue Erfahrung bei Minusgraden im Freien zu übernachten.
Für den nächsten Tag fassten wir den Plan auf die Adlersruhe aufzusteigen, dort zu übernachten und am nächsten Tag den Gipfel zu stürmen. Guter Plan – ging natürlich so nicht auf!

Um etwa 5 Uhr gingen wir mit viel zu schweren Rucksäcken vom Lucknerhaus los. Etwa eine Stunde danach starteten einige andere Bergsteiger, deren Stirnlampenkegel wir gut ausmachen konnten.
Nach etwa 1000hm überholte uns einer nach dem anderen und wir konnten nicht glauben, dass wir so schwach beisammen waren.
Mühsam kämpften wir uns Meter für Meter über das Ködnitzkees. Mit schon sehr wenig Motivation versuchten wir den Einstieg des Mürztaler Steigs zu erreichen. Dort endlich angekommen brauchten wir mal 20 min Pause um überhaupt wieder Luft zu bekommen.
Völlig am Ende ackerten wir uns die ersten paar Meter den Klettersteig hoch um bald zu bemerken, dass wir den ersten Teil viel leichter mit den Skiern umgehen hätten können...
Vor uns war der leichte Grat zur Adlersruhe. Keiner von uns hatte mehr Lust sich diesen rauf zu plagen. Nach 3 Schritten mussten wir jedesmal einige Minuten Pause machen. Offenbar hatten wir die Höhe völlig unterschätzt.
Nach einigen Hin und Her fuhren wir zur Stüdlhütte ab. Als wir die Ski dort abgeschnallt hatten fielen wir beide um und standen für etliche Minuten nicht mehr auf. Selbst die 3 Meter zum Rucksack waren für mich nicht mehr bewältigbar.
Das Wetter präsentierte sich aber von seiner besten Seite und so konnten wir in der Sonne liegend das großzügige Panorama ausgiebig genießen.
Nachdem sich der Puls nach 1h etwas beruhigt hatte waren wir auch froh 2 Dosen Bier den Berg hinauf geschleppt zu haben. Die traumhafte Kulisse tat das Ihrige dazu und der Tag war gerettet.
Auch waren wir froh darüber in der Stüdlhütte zu übernachten, da der Winterraum auf der Adlersruhe keinen Ofen hat und wir zu wenig Gas für den Kocher mithatten, sprich wir wären wahrscheinlich verdurstet.
Der Winterraum der Stüdlhütte ist eine eigene Hütte mit einem Matratzenlager im oberen Stock und einem Koch/Aufenthaltsraum im unteren Stock. Außerdem gibt es einen Ofen und Holz. So konnten wir beruhigt Wasser schmelzen, unsere Sachen trocknen und das Essen wärmen.

Gegen 8 Uhr krochen wir in unsere Schlafsäcke. Ich hatte starkes Kopfweh, das leider bis zum nächsten Morgen anhielt. Außerdem konnte ich wiederum sehr schlecht schlafen.
Zu allen Überdruss weckte uns etwa zu Mitternacht eine Partie die gerade auf der Stüdlhütte ankam auf. Leider waren sie sehr laut und weckten uns mehrmals auf.
Der Wecker läutete um 4 Uhr. Nur sehr schwer konnten wir uns aus den Schlafsäcken hieven. Die Motivation war komplett am Nullpunkt. Ich hatte Kopfschmerzen, war ein wenig dehydriert und hatte ein ziemliches Schlafdefizit.
Keiner von uns traute sich aussprechen was wir beide dachten. Nämlich, dass wir runter wollten.
Glücklicherweise schnallten wir uns doch die Ski an, denn die nächsten Stunden waren ein super Erlebnis.
Wir deponierten das Gepäck, das wir nicht benötigten bei der Hütte und marschierten los.
Am Anfang ging es noch etwas mühsam, aber am dem Gletscher waren die Kopfschmerzen weg und die Mühen der letzten 2 Tage vergessen.
Im Sonnenaufgang begann der Gletscheranstieg steiler zu werden. Bald waren wir ungefähr auf Höhe unseres gestrigen Umkehrpunktes und machten eine kurze Lagebesprechung. Uns ging es beiden recht gut und wir beschlossen den Gipfel zu versuchen.

Da wir uns den Aufstieg zur Adlersruhe sparen wollten und möglichst lang mit den Skiern aufsteigen wollten entschieden wir uns für den Aufstieg über die Südflanke. Diese ist an den steilsten Stellen 40 -45° steil, aber die Verhältnisse passten. Die Spitzkehren waren dann trotzdem sehr spannend.
Der Hang war etwas trügerisch da er eigentlich recht kurz ausschaut aufgrund der Steilheit aber doch recht lang braucht. An der Felsbarriere zum Glocknerleitl ging es dann nicht mehr mit den Skiern weiter. Daher wechselten wir diese gegen Steigeisen und Pickel. Eine ungefähr 30m hohe Schneerinne trennte uns vom Glocknerleitl.
Ich war offenbar wegen meines mittelschweren Sturzes am Gamsgartlgrat kurz davor noch etwas unsicher mit den Steigeisen und kletterte die Stelle sehr vorsichtig. Vor dem Abstieg über diese Stelle graute mir etwas. (Fast alle Nachkommenden sind diese Stelle allerdings ohne Steigeisen geklettert, allerdings war der Schnee bei ihnen schon etwas weicher)
Am Grat begrüßten uns dann einmal starke Sturmböen. Wir überquerten das Blankeisfeld Richtung Glocknerleitl. Es war sehr warm und ich machte mir etwas Sorgen aufgrund der Lawinensituation weiter unten und der Abkletterei über die Schneerinne. Irgendwie war der Gipfel dann nicht mehr so verlockend...
Wir beschlossen uns eine mögliche Quälerei nicht mehr an zu tun und dafür eine schöne Abfahrt bei halbwegs sicheren Verhältnissen zu genießen. Außerdem mussten wir ja noch zurück zur Stüdlhütte das restliche Zeug holen.
Wir warteten noch kurz beim Skidepot in der Hoffnung, dass die Südflanke etwas auffirnt. Tat sie dann leider nicht in dem Maße wie wir uns das wünschten. Die ersten Schwünge in den 45° Hang waren dann schon spannend, aber es ging erstaunlich gut. Außerdem hatte ich eh wenig Kraft zum Bremsen;-) Der Tag bescherte uns dann noch eine Traumabfahrt.
Rückblickend wäre der Gipfel sicher gegangen, allerdings waren die Lawinenverhältnisse schon etwas fordernd. Auf 3000m war noch alles festgefroren. Im unteren Teil war der Schnee schon recht sulzig. Beim Lucknerhaus waren dann auch viele Naßschneeabgänge zu beobachten.
Beim Lucknerhaus war es dann so warm, dass wir im T-Shirt die Sonne genießen konnten. Und der Gipfel bleibt ja auch noch als Ziel.
Alles in allem wieder eine lehreiche aber superschöne Erfahrung.

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